
Das wäre ein städtebaulicher Akzent erster Güte in Nieder- Roden: „Altes Spritzenhaus“ und „Seniorengerechtes Wohnen“.
SPD-Gespräch klärt städtebauliche Neuordnung rund um Feuerwehr
Nieder-Roden. Als „charmante Idee“ bezeichnete Dr. Falk von der Johanniter-Unfallhilfe bei dem SPD-Bürgergespräch die Absicht, das Feuerwehrgelände und den angrenzenden Friedhofparkplatz für das seniorengerechte Wohnen nutzen zu wollen.
Der Genossenwunsch nach Integration einer Kinderkrippe in das neue Gebäude wird sich indes nicht erfüllen lassen: Bürgermeister Jürgen Hoffmann sah aufgrund der Versorgung keine Rechtfertigung für eine weitere Einrichtung für die Betreuung von unter Dreijährigen. Einigkeit in der Debatte herrschte bei dem Plan, den Alten Friedhof zu einem Park zu gestalten. Der Wiederaufbau des historischen Spritzenhauses durch ein Spendenprojekt wurde ebenso begrüßt. An dem von zahlreichen Feuerwehr-Anrainern und Vereinsvertretern besuchten Gesprächsabend wurden eingangs Planskizzen von Walter Stolz präsentiert, die verschiedene Bebauungsmöglichkeiten aufzeigten. Die Überbauung des Ahorn-weges und des Parkplatzes am Friedhof als ‚große’ Variante ließ die Anlieger ein zu dominantes Gebäude befürchten. In der Diskussion versicherten der Bürgermeister und die SPD-Vertreter, dass es gemeinsames Interesse sei, den städtebaulichen Charakter des Quartiers erhalten zu wollen. In einem ordentlichen Bebauungs-planverfahren bestünden zudem zahlreiche Möglichkeiten der direkten Einfluss-nahme, versuchten die Sozialdemokraten die Ängste zu zerstreuen. Die Beschränkung auf das Grundstück der Feuerwache würde dagegen ‚von Amts wegen’ weitgehend ohne öffentliche Einwirkungsrechte entschieden, ließ die SPD eine Vorliebe zugunsten der großen Lösung erkennen. Helmut Kaufmann, Geschäftsführer der Altenhilfe der AWO Hessen Süd, bezifferte den rodgauweiten Bedarf für ein selbständiges Leben im Alter auf etwa 130 Wohneinheiten. Die niedrigschwellige Form des Service-Wohnens ist nach Worten von Dr. Karsten Falk „mit rund 100 € monatlicher Grundgebühr für die Inanspruchnahme stundenweiser Alltagshilfe wie Hausmeister- oder Wäschedienste das günstige Einsteigermodell“. Menüservice und Hausnotrufsysteme wären Ergänzungen, die Selbständigkeit und Bedarfshilfe außerhalb stationärer Lösungen ermöglichen. Das ‚Betreute Wohnen’ steigert den Komfort auf ein 24-Stunden-Angebot auch im Pflegefall. „Voraussetzung hiefür sind Gemeinschaftsräume und eine Betriebsgröße von mindestens 25 Wohnungen, damit sich die Umlagen für Personal und Dienstleistungen in vernünftigen Grenzen halten lassen“, betonte Kaufmann. Einig waren sich beide Sozialexperten in der Einschätzung, dass für Rodgau und der Region kein weiteres Pflegeheim benötigt wird. Einen Betrieb der Anlage in Eigenregie lehnte der Dr. Falk für seine Organisation ab. Bei dem Standort inmitten der belebten Altortslage erweist sich der Umstand, dass das Gelände der Stadt gehört, als großer Pluspunkt. Die aus dem Publikum geäußerte Kritik, „die Kommune wolle durch den Boden-Verkauf nur Kasse machen“, wurde von SPD-Seite heftig widersprochen. Mit dem Hinweis „bezahlbaren Wohnraum“ für Rodgauer Senioren schaffen zu wollen, gehe die Verpflichtung einher, beim Grundstücksverkauf an einen Investor besonders preissensibel zu sein. Belegungsrechte durch die Stadt wären auch nicht zum Nulltarif zu haben, wurde ein weiteres Argument ins Feld geführt. Der ursprünglich eingeladene Bauträger Werkmann hatte kurzfristig absagen müssen. Die Sicht eines Praktikers hätte die Fronten vielleicht beruhigen können. Die von Dr. Falk entworfene Vision, „Opa ließt Kindern im Friedhofspark Märchen vor“, erhielt einen Dämpfer. Bürgermeister Hoffmann verwies auf die Bedarfs-prognose, die über die Anstrengungen an anderen Stellen hinaus keine weitere Einrichtung im Krabbelalter rechtfertige. Ob eine andere öffentliche Teilnutzung das angestrebte Mehrgenerationenhaus Wirklichkeit werden lässt, blieb offen. Die Entwicklung des Alten Friedhofs zu einem Park könnte nach Ablauf der letzten Ruhefrist im Jahre 2021 abgeschlossen sein. Der Aufbau des ersten Spritzenhauses Nieder-Rodens wird weiter als Spendenprojekt favorisiert. Auf rund 85 qm Nutzfläche wäre eine ‚Gut Stubb’ für Vereinszwecke und Bürgerbegegnungen möglich. Der souveräne Moderator des Abends, Altbürgermeister Thomas Przibilla, schloss die Diskussion mit dem Versprechen, „nach der Kommunalwahl 2011 den Dialog fortzusetzen“.
